Trading-Indikatoren: Die wichtigsten Indikatoren im Überblick
Das wirst du lernen:
- Was Trading-Indikatoren sind und warum fast alle nachlaufen
- Die fünf Kategorien – und welche Frage jede beantwortet
- Die wichtigsten Indikatoren mit Kerneigenschaft, Standardeinstellung und meinem Urteil in einem Satz
- Welche Kombinationen sinnvoll sind und welche doppelt gemoppelt
RSI, MACD, Bollinger Bänder, gleitende Durchschnitte – es gibt Hunderte Trading-Indikatoren, und jeder verspricht, dir den Markt leichter lesbar zu machen. Die unbequeme Wahrheit: Alle werden aus denselben zwei Zutaten berechnet, aus Preis und Volumen. Sie zeigen dir nichts, was nicht schon im Chart steckt – sie zeigen es nur anders.
Auf dieser Seite findest du die wichtigsten Indikatoren nach Kategorien sortiert, jeweils mit Kerneigenschaft, Standardeinstellung, meinem Urteil in einem Satz und den Links zur ausführlichen Erklärung auf indicator.trading sowie zur TradingView-Hilfe.
Was sind Trading-Indikatoren?
Definition
Trading-Indikatoren sind mathematische Berechnungen aus Kurs- und teilweise Volumendaten, die als Linie, Band oder Histogramm im Chart erscheinen. Die meisten sind nachlaufend: Sie bestätigen, was bereits passiert ist. Oszillatoren wie der RSI gelten oft als vorlaufend, reagieren aber ebenfalls nur auf vergangene Kurse.
Die fünf Kategorien im Überblick
| Kategorie | Frage, die sie beantwortet | Beispiele |
|---|---|---|
| Trend | In welche Richtung läuft der Markt – und wie stark? | Gleitender Durchschnitt, ADX, Ichimoku, Supertrend, Parabolic SAR |
| Momentum / Oszillatoren | Wie schnell bewegt sich der Kurs, ist die Bewegung überdehnt? | RSI, MACD, Stochastik |
| Volatilität | Wie stark schwankt der Markt gerade? | Bollinger Bänder, ATR |
| Volumen | Wie viel Beteiligung steckt hinter der Bewegung? | VWAP, OBV, Volumenprofil |
| Unterstützung und Widerstand | Wo könnte der Kurs reagieren? | Pivot-Punkte, Fibonacci |
Trendindikatoren
Gleitender Durchschnitt (SMA und EMA)
Kerneigenschaft: Glättet den Kurs und zeigt die Richtung. Der einfache Durchschnitt (SMA) gewichtet alle Kerzen gleich, der exponentielle (EMA) die jüngsten stärker. Übliche Längen sind 20, 50 und 200 – die 200-Tage-Linie gilt als Grenze zwischen Auf- und Abwärtstrend. Kreuzt der 50er den 200er nach oben, spricht man vom Golden Cross, nach unten vom Death Cross.
Mein Urteil: Mein wichtigster Indikator überhaupt – ich bestimme den Trend mit dem SMA 1000 und dem SMA 200, allerdings als Filter, nicht als Einstiegssignal.
Mehr dazu: indicator.trading (SMA) · indicator.trading (EMA) · TradingView-Hilfe SMA · TradingView-Hilfe EMA · Trendanalyse
ADX (Average Directional Index)
Kerneigenschaft: Misst die Stärke eines Trends, nicht seine Richtung – die zeigen die Linien +DI und −DI. Entwickelt von J. Welles Wilder, Standardlänge 14. Werte über 25 gelten als starker Trend, unter 20 als schwach.
Mein Urteil: Ein sinnvoller Filter für die Frage, ob überhaupt ein Trend da ist – die Richtung liefert er dir aber nicht.
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Ichimoku
Kerneigenschaft: Ein komplettes Trendsystem aus fünf Linien und der „Wolke“, entwickelt vom japanischen Journalisten Goichi Hosoda und Ende der 1960er veröffentlicht. Standardeinstellung 9, 26 und 52.
Mein Urteil: Ein ganzes System in einem Indikator – für mich zu viele Linien, die im Kern dasselbe sagen wie zwei gleitende Durchschnitte.
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Supertrend
Kerneigenschaft: Eine Linie auf Basis der ATR, die unter dem Kurs liegt, solange der Trend steigt, und darüber, wenn er fällt. Eingestellt werden die ATR-Länge und ein Multiplikator.
Mein Urteil: Übersichtlich, aber im Seitwärtsmarkt ein ständiges Hin und Her – nur als Trendfilter brauchbar.
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Parabolic SAR
Kerneigenschaft: Punkte über oder unter dem Kurs, die sich mit dem Trend beschleunigt nachziehen. Von Wilder 1978 vorgestellt, Standardwerte 0,02 / 0,02 / 0,20.
Mein Urteil: Eher ein Werkzeug zum Nachziehen von Stops als für Einstiege.
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Momentum-Indikatoren und Oszillatoren
RSI (Relative Strength Index)
Kerneigenschaft: Vergleicht die Stärke der Auf- und Abwärtsbewegungen und schwankt zwischen 0 und 100. Von Wilder 1978 vorgestellt, Standardlänge 14. Über 70 gilt als überkauft, unter 30 als überverkauft.
Mein Urteil: Überkauft heißt nicht, dass der Kurs fällt – in starken Trends bleibt der RSI lange oben. Als Hinweis auf Divergenzen okay, als Signal nicht.
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MACD
Kerneigenschaft: Die Differenz zweier exponentieller Durchschnitte plus Signallinie und Histogramm. Entwickelt von Gerald Appel in den 1970ern, das Histogramm ergänzte Thomas Aspray 1986. Üblich sind die Werte 12, 26 und 9.
Mein Urteil: Im Kern zwei gleitende Durchschnitte in anderer Verpackung – wer schon Durchschnitte nutzt, bekommt hier wenig Neues.
Mehr dazu: indicator.trading · TradingView-Hilfe
Stochastik
Kerneigenschaft: Zeigt, wo der Schlusskurs innerhalb der Spanne der letzten Kerzen liegt. Entwickelt von George Lane in den 1950ern, üblich sind %K 14 und %D 3. Über 80 gilt als überkauft, unter 20 als überverkauft.
Mein Urteil: Misst im Grunde dasselbe wie der RSI – beide zusammen zu nutzen ist doppelt gemoppelt.
Mehr dazu: indicator.trading · TradingView-Hilfe
Volatilitätsindikatoren
Bollinger Bänder
Kerneigenschaft: Ein gleitender Durchschnitt mit zwei Bändern im Abstand von meist zwei Standardabweichungen. Werden die Bänder enger, wird der Markt ruhiger, werden sie weiter, steigt die Schwankung. Entwickelt von John Bollinger Anfang der 1980er, Standard 20 und 2.
Mein Urteil: Gut, um Volatilität zu sehen – ein Berühren des Bandes ist aber kein Umkehrsignal.
Mehr dazu: indicator.trading · TradingView-Hilfe
ATR (Average True Range)
Kerneigenschaft: Die durchschnittliche Schwankungsbreite pro Kerze, inklusive Kurslücken. Von Wilder 1978 vorgestellt, Standardlänge 14. Die ATR zeigt keine Richtung, nur das Ausmaß der Bewegung.
Mein Urteil: Einer der nützlichsten Indikatoren überhaupt – nicht für Einstiege, sondern für Stop-Abstand und Positionsgröße.
Mehr dazu: indicator.trading · TradingView-Hilfe · Positionsgrößenrechner
Volumenindikatoren
VWAP (Volume Weighted Average Price)
Kerneigenschaft: Der volumengewichtete Durchschnittspreis: Summe aus typischem Preis mal Volumen, geteilt durch das Gesamtvolumen. Der typische Preis ist (Hoch + Tief + Schluss) ÷ 3. Der VWAP startet je Periode neu, etwa pro Handelstag. Beim Anchored VWAP legst du den Startpunkt selbst fest.
Mein Urteil: Für Daytrader in Aktien und Futures ein echter Referenzpreis – im Tageschart mit Tick-Volumen deutlich weniger aussagekräftig.
Mehr dazu: indicator.trading · TradingView-Hilfe · TradingView-Hilfe Anchored VWAP
OBV (On Balance Volume)
Kerneigenschaft: Addiert das Volumen an Tagen mit steigendem Schlusskurs und zieht es an fallenden Tagen ab. Vorgestellt von Joe Granville 1963. Interessant sind vor allem Divergenzen zwischen OBV und Kurs.
Mein Urteil: Ein früher Versuch, Volumen in eine einzige Linie zu packen – das Volumenprofil sagt mir heute mehr.
Mehr dazu: indicator.trading · TradingView-Hilfe · Volumen im Trading
Volumenprofil
Kerneigenschaft: Zeigt das gehandelte Volumen pro Preisniveau statt pro Zeiteinheit – mit Point of Control, Value Area und dicken und dünnen Bereichen.
Mein Urteil: Das nützlichste Volumenwerkzeug für mich – als Bestätigung von Zonen, nicht als eigenständiges Signal.
Mehr dazu: Volumenprofil ausführlich · indicator.trading · TradingView-Hilfe
Hinweis
Für TradingView habe ich den Dynamic Volume Indikator entwickelt. Er zeigt dir mit nachprüfbaren Zahlen, wann das Volumen eine Bewegung bestätigt. Er ist Teil der Indikator-Flatrate.
Unterstützung und Widerstand
Pivot-Punkte
Kerneigenschaft: Levels, die aus Hoch, Tief und Schluss der Vorperiode berechnet werden – ein zentraler Pivot plus Unterstützungen und Widerstände darüber und darunter. TradingView bietet mehrere Varianten, etwa Traditional, Fibonacci, Woodie, Classic, DM und Camarilla.
Mein Urteil: Beliebt im Daytrading, weil viele darauf schauen – eine Zone aus echten Kursreaktionen ersetzen sie für mich nicht.
Mehr dazu: indicator.trading · TradingView-Hilfe · Unterstützung und Widerstand
Fibonacci-Retracements
Kerneigenschaft: Linien bei 23,6, 38,2, 50, 61,8 und 78,6 % einer Bewegung, die mögliche Korrekturziele markieren.
Mein Urteil: Nur in Kombination mit einer Zone sinnvoll – genau darauf baut meine Fibonacci-Pullback-Strategie auf.
Mehr dazu: Fibonacci-Retracement ausführlich · indicator.trading · TradingView-Hilfe
Indikatoren richtig kombinieren: Redundanz vermeiden
Der häufigste Fehler ist nicht der falsche Indikator, sondern zu viele, die dasselbe messen. Drei Momentum-Oszillatoren übereinander geben dir nicht dreimal so viel Information – sondern dreimal dieselbe. Sinnvoll ist, Indikatoren aus unterschiedlichen Kategorien zu kombinieren:
| Kombination | Bewertung | Warum |
|---|---|---|
| RSI + Stochastik | 🔴 doppelt | beide messen Momentum |
| MACD + gleitende Durchschnitte | 🔴 doppelt | der MACD besteht selbst aus Durchschnitten |
| Bollinger Bänder + ATR | 🟡 teils doppelt | beide messen Volatilität, nur unterschiedlich dargestellt |
| Gleitender Durchschnitt + ADX | 🟢 ergänzt sich | Richtung plus Trendstärke |
| Gleitender Durchschnitt + ATR | 🟢 ergänzt sich | Richtung plus Stop-Abstand |
| Zone + Volumen oder Volumenprofil | 🟢 ergänzt sich | Ort der Entscheidung plus Bestätigung |
Meine Meinung: Zonen zuerst, Indikatoren höchstens als Filter
Meine Regel
Die Entscheidung treffe ich an der Zone. Indikatoren dürfen filtern – etwa ob ich mit oder gegen den Trend handle – oder beim Management helfen, etwa beim Stop-Abstand. Ein Indikator allein ist für mich nie der Grund für einen Trade.
Mehr als zwei, drei Indikatoren habe ich selten im Chart: zwei gleitende Durchschnitte für den Trend, das Volumen und bei Bedarf das Volumenprofil. Alles andere lenkt mich eher ab, als dass es hilft. Wie ich den Trend damit konkret bestimme, zeige ich im Podcast:
Podcast
Wie ich Trends mit dem SMA 1000 und dem SMA 200 objektiv einordne – Richtung, Stärke und Hitze –, zeige ich dir in dieser Folge als Video:
Was die Forschung sagt
🟠 Schwach belegt. Park und Irwin (2007) werteten 95 Studien aus: Technische Regeln waren vor allem bis Anfang der 1990er profitabel, danach deutlich weniger. Bei den Bollinger Bändern verschwand der Vorteil nach 1983 schrittweise und ist seit 2001 weitgehend weg (Fang, Jacobsen und Qin 2017). RSI und MACD lieferten in einzelnen Märkten positive Ergebnisse, etwa in Mailand und Toronto, im DAX aber nicht konsistent (Chong, Ng und Liew 2014).
Alle Studien und die Evidenz-Ampel für jedes Konzept: Funktioniert Charttechnik? Was die Forschung sagt.
Häufige Fragen zu Trading-Indikatoren
Welcher Indikator ist der beste?
Es gibt keinen besten Indikator. Alle werden aus Preis und Volumen berechnet und zeigen nur einen Ausschnitt. Am nützlichsten sind aus meiner Sicht gleitende Durchschnitte für die Trendrichtung und die ATR für Stop und Positionsgröße – als Ergänzung zu Zonen, nicht als Ersatz.
Welche Indikatoren nutzen Profis?
Viele professionelle Trader arbeiten mit sehr wenigen Indikatoren, oft nur mit gleitenden Durchschnitten, Volumen und Volatilität. Der Vorteil entsteht selten durch den Indikator, sondern durch klare Regeln und sauberes Risikomanagement.
Wie viele Indikatoren sollte man kombinieren?
Zwei bis drei aus unterschiedlichen Kategorien reichen – etwa einen für den Trend, einen für die Volatilität und das Volumen. Mehrere Indikatoren aus derselben Kategorie, wie RSI und Stochastik, liefern keine zusätzliche Information.
Sind Indikatoren nachlaufend?
Ja, im Kern alle. Sie werden aus vergangenen Kursen berechnet. Oszillatoren wie der RSI gelten oft als vorlaufend, weil sie Überdehnungen zeigen – aber auch sie reagieren nur auf das, was bereits passiert ist.
Welche Indikatoren eignen sich zum Swingtrading?
Für Swingtrading im Tageschart eignen sich gleitende Durchschnitte zur Trendbestimmung, die ATR für Stops und das Volumen beziehungsweise Volumenprofil zur Bestätigung. Oszillatoren liefern im Tageschart in starken Trends viele Fehlsignale.
Du hast jetzt alle Werkzeuge beisammen – von Fibonacci über Volumen bis zu den Indikatoren. Als Nächstes geht es um bekannte Methoden und Schulen wie Smart Money Concepts, Wyckoff und Elliott-Wellen – bis dahin findest du alles in der Übersicht.