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Technische Analyse
Gaps
Kurslücken
Fortgeschritten

Gaps im Chart: Kurslücken erkennen, einordnen und handeln

Das wirst du lernen:

  • Was ein Gap (Kurslücke) ist und wie es entsteht
  • Die vier Gap-Arten – und welche davon wirklich geschlossen werden
  • Warum Gaps ein Qualitätsmerkmal eines Marktes sind
  • Gap Close, CME-Gap und Fair Value Gap sauber auseinanderhalten

„Gaps werden immer geschlossen“ ist einer der hartnäckigsten Sätze im Trading. Er klingt plausibel, weil viele Gaps irgendwann geschlossen werden – und genau deshalb ist er gefährlich. Denn die Gaps, die nicht geschlossen werden, sind häufig die, die eine große Bewegung einleiten.

Auf dieser Seite bekommst du die klassische Einteilung der Kurslücken, die ehrliche Antwort auf die Frage nach dem Gap Close und zwei Dinge, die du auf den meisten Gap-Seiten nicht findest: warum ich Gaps als Qualitätsmerkmal eines ganzen Marktes lese und wie ich die Ränder einer Lücke als Zone nutze.

Was ist ein Gap?

Definition

Ein Gap (deutsch: Kurslücke) ist ein Preisbereich, in dem zwischen zwei aufeinanderfolgenden Kerzen nicht gehandelt wurde. Die neue Kerze eröffnet deutlich über dem Hoch (Gap up) oder unter dem Tief (Gap down) der vorigen, und im Chart bleibt eine Lücke.

Wie Gaps entstehen

  • Handelspausen: Aktien und Indizes werden nicht rund um die Uhr gehandelt. Was über Nacht oder am Wochenende passiert, wird mit der nächsten Eröffnung auf einen Schlag eingepreist.
  • Nachrichten: Quartalszahlen, Zentralbankentscheidungen oder geopolitische Überraschungen, die niemand erwartet hat.
  • Dividenden: Am Ex-Tag wird die Aktie um die Dividende abgeschlagen – ein rein technisches Gap.
  • Dünner Handel: In illiquiden Märkten springt der Kurs, weil zwischen zwei Preisen schlicht niemand handeln wollte.

Deshalb unterscheiden sich Märkte stark: Im Devisenmarkt, der fünf Tage am Stück handelt, sind Gaps selten und meist nur am Wochenende zu sehen. Bei Aktien und Indizes entstehen sie praktisch täglich zur Eröffnung. Wann welcher Markt geöffnet hat, zeigt dir die Handelszeiten-Uhr.

Die vier Gap-Arten

Die klassische Einteilung geht auf Edwards und Magee zurück, die Autoren von „Technical Analysis of Stock Trends“. Sie unterscheidet Gaps danach, wo im Trend sie entstehen.

Gap-ArtWo im TrendVolumenWird es meist geschlossen? (Praxisregel)
Common GapIn Seitwärtsphasen, ohne besonderen AnlassNiedrigJa, meist schnell
Breakaway GapBeim Ausbruch aus einer KonsolidierungHochOft nicht – ein Ausbruch mit Lücke hat Kraft
Runaway Gap (Measuring Gap)Mitten in einem laufenden TrendErhöhtMeist nicht; oft etwa auf halbem Weg der Bewegung
Exhaustion GapAm Ende einer ausgedehnten BewegungSehr hochJa, häufig schnell – Zeichen der Erschöpfung

Werden Gaps immer geschlossen?

Mythos-Check

Nein. Common Gaps und Exhaustion Gaps werden nach gängiger Praxisregel meist geschlossen, Breakaway und Runaway Gaps oft nicht. Wer bei jeder Lücke auf den Gap Close setzt, handelt ausgerechnet gegen die kräftigsten Bewegungen. Die Frage ist nicht „wird es geschlossen?“, sondern „welches Gap ist das?“.

Was die Forschung sagt

🔴 „Gaps schließen sich immer“ ist widerlegt. Caporale und Plastun (2017) fanden, dass bis zu 80 Prozent der Gaps nach fünf Tagen nicht geschlossen sind. Plastun und Kollegen (2020) zeigen für US-Indizes von 1928 bis 2018: Am Gap-Tag läuft der Kurs eher in Richtung der Lücke weiter. Die Einteilung in Common und Exhaustion Gaps ist eine Praxisregel, keine wissenschaftlich geprüfte Aussage.

Alle Studien und die Evidenz-Ampel für jedes Konzept: Funktioniert Charttechnik? Was die Forschung sagt.

Ein Gap Close heißt, dass der Kurs die Lücke komplett wieder durchläuft und den Schlusskurs vor dem Gap erreicht. Wie oft das in einem bestimmten Markt passiert, wie lange es dauert und in welche Richtung – das lässt sich auszählen, statt es zu glauben. Genau dafür gibt es im Mitgliederbereich den kostenlosen Gap-Closer-Indikator für TradingView.

Gaps als Qualitätsmerkmal eines Marktes

Bevor ich einen Markt überhaupt analysiere, prüfe ich seine Qualität – und Gaps sind eines von vier Kriterien. Ich will wenige Gaps sehen, und wenn, dann kleine und regelmäßige. Häufige große Kurslücken machen jede Planung zur Lotterie: Dein Stop schützt dich nicht, wenn der Markt über Nacht einfach darüber hinwegspringt.

  • Forex: kaum Gaps. Tritt doch eines auf, ist es fast immer wichtig.
  • Aktien und Indizes: Gaps sind normal. Entscheidend ist das Verhältnis von Häufigkeit und Größe.
  • Einzelaktien zur Berichtssaison: große Gaps nach Zahlen sind die Regel – eine Phase, in der ich solche Märkte eher liegen lasse.

Mehr zu den Qualitätskriterien und welche Märkte sich eignen, steht unter Welcher Markt passt zu dir?

Podcast

Welche vier Qualitätskriterien ich an jeden Markt anlege – Gaps eingeschlossen – und warum das der wichtigste Filter vor jeder Analyse ist, erkläre ich in dieser Folge:

Gap-Trading: Gap Close oder Gap Following

Es gibt zwei grundsätzliche Ansätze. Beim Gap Close (auch Gap Fading) wird darauf gesetzt, dass sich die Lücke wieder schließt – sinnvoll vor allem bei Common Gaps und in ruhigen Märkten. Beim Gap Following wird in Richtung der Lücke gehandelt, weil sie eine starke Bewegung einleitet – typisch für Breakaway Gaps nach einer Konsolidierung.

Welcher Ansatz passt, hängt fast vollständig davon ab, wo im Trend die Lücke entsteht und mit welchem Volumen. Eine Lücke mitten in einer Seitwärtsphase ist etwas anderes als eine Lücke, mit der der Kurs aus monatelanger Enge ausbricht.

Die Lücke als Zone

Im Gap selbst wurde nicht gehandelt – es ist ein Bereich ohne Volumen. Daraus ergeben sich zwei Eigenschaften, die ich im Management nutze:

  • Vakuum: Läuft der Kurs in ein offenes Gap hinein, hält ihn dort wenig auf. Er läuft meist zügig durch bis zum anderen Rand.
  • Magnet: Die Ränder der Lücke – der Schluss vor dem Gap und die Eröffnung danach – ziehen den Kurs häufig an.

So nutze ich Gaps

Wichtig sind nicht die Mitte, sondern die Ränder eines Gaps. Als alleiniger Grund für einen Einstieg ist mir ein Gap zu wenig. Fällt ein Gap-Rand aber mit einer Zone, einem alten Hoch oder viel gehandeltem Volumen zusammen, wird er zu einem Baustein, der zählt. Je größer und seltener das Gap, desto mehr Gewicht hat es.

Sonderfälle: CME-Gap und Fair Value Gap

Das CME-Gap ist ein Begriff aus dem Bitcoin-Handel: Die Bitcoin-Futures an der CME pausieren am Wochenende, der Spotmarkt läuft weiter. Bewegt sich Bitcoin am Wochenende, entsteht im Future-Chart eine Lücke, deren Schließung viele Trader beobachten. Technisch ist das ein ganz normales Gap durch eine Handelspause.

Das Fair Value Gap stammt aus den Smart Money Concepts und ist streng genommen gar keine Kurslücke. Gemeint ist ein Bereich zwischen drei Kerzen, in dem sich die Dochte der ersten und dritten Kerze nicht überlappen – der Kurs ist dort so schnell gelaufen, dass kaum gehandelt wurde. Die Idee ist verwandt, die Definition eine andere.

Gaps erkennst du am Chart, nicht im Text.

Kostenlos im Mitgliederbereich: der Gap-Closer-Indikator und der Marktqualitäts-Indikator für TradingView, der Podcast-Kurs mit Chartmaterial und meine Watchlisten – damit du das Gap-Verhalten jedes Marktes selbst auszählen kannst.

Häufige Fragen zu Gaps

Was bedeutet Gap beim Trading?

Ein Gap ist eine Kurslücke: Zwischen zwei aufeinanderfolgenden Kerzen wurde ein Preisbereich übersprungen, meist weil der Markt nach einer Handelspause oder einer Nachricht deutlich höher oder tiefer eröffnet hat.

Werden Gaps immer geschlossen?

Nein. Common Gaps und Exhaustion Gaps werden häufig geschlossen, Breakaway und Runaway Gaps oft nicht. Gerade die Lücken, mit denen eine große Bewegung beginnt, bleiben nicht selten dauerhaft offen.

Was ist ein Gap Close?

Ein Gap Close liegt vor, wenn der Kurs die Lücke vollständig wieder durchläuft und den Schlusskurs vor dem Gap erreicht. Wie häufig das in einem Markt passiert, lässt sich über die Historie auszählen, etwa mit einem Gap-Indikator.

Warum entstehen Gaps bei Aktien, aber kaum bei Forex?

Aktien und Indizes werden nur zu bestimmten Börsenzeiten gehandelt; was dazwischen passiert, wird zur Eröffnung auf einmal eingepreist. Der Devisenmarkt läuft von Montag bis Freitag durch, deshalb entstehen Lücken dort fast nur über das Wochenende.

Was ist der Unterschied zwischen einem Gap und einem Fair Value Gap?

Ein klassisches Gap ist eine echte Lücke zwischen zwei Kerzen, in der gar nicht gehandelt wurde. Ein Fair Value Gap ist ein Begriff aus den Smart Money Concepts und beschreibt einen Bereich innerhalb von drei Kerzen, in dem sich die Dochte der ersten und dritten Kerze nicht überlappen.

Damit hast du die Bausteine der klassischen Chartanalyse beisammen: Kerzen, Trend, Zonen, Price Action, Muster, Formationen und Gaps. Im nächsten Abschnitt geht es um die Werkzeuge, die diese Analyse bestätigen – von Fibonacci bis zum Volumenprofil.

Wissen hast du jetzt. Fehlt die Praxis.
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