Long und Short: auf steigende und fallende Kurse setzen
Das wirst du lernen:
- Was Long und Short konkret bedeuten
- Wie du mit einer Short-Position von fallenden Kursen profitierst
- Wie ein Leerverkauf technisch funktioniert
- Welche besonderen Risiken und Kosten bei Short-Positionen gelten
An der Börse kannst du in beide Richtungen Geld verdienen – nicht nur, wenn die Kurse steigen. Genau das ist einer der größten Unterschiede zwischen klassischem Investieren und aktivem Trading. Wer versteht, wie Long und Short funktionieren, ist nicht mehr darauf angewiesen, dass es »nach oben« geht, sondern kann auch fallende Märkte nutzen – und versteht endlich, was Trader meinen, wenn sie sagen, sie seien »long« oder »short«.
In diesem Beitrag klären wir, was Long und Short genau bedeuten, wie ein Leerverkauf technisch abläuft, welche Risiken und Kosten dabei entstehen und wann welche Richtung sinnvoll ist. Am Ende weißt du nicht nur, was die Begriffe heißen, sondern auch, worauf du achten musst, bevor du selbst short gehst.
Was bedeuten Long und Short?
Long und Short beschreiben die beiden Grundrichtungen, in die du einen Trade ausrichten kannst. Long ist die Wette auf steigende Kurse, Short die Wette auf fallende. Beide sind völlig normale Werkzeuge – die meisten Trader nutzen je nach Marktlage beide und legen sich nicht dauerhaft auf eine Richtung fest.
Definition
Long gehen heißt, ein Instrument zu kaufen, weil du auf steigende Kurse setzt. Du verdienst, wenn der Kurs steigt, und verlierst, wenn er fällt. Das ist die Richtung, die die meisten Menschen intuitiv mit der Börse verbinden.
Definition
Short gehen heißt, ein Instrument zu verkaufen, das du gar nicht besitzt, weil du auf fallende Kurse setzt. Du verdienst, wenn der Kurs fällt, und verlierst, wenn er steigt. Das fühlt sich anfangs paradox an – ist aber ein zentrales Werkzeug im Trading.
Long gehen – auf steigende Kurse setzen
Long zu gehen ist die vertraute Richtung: Du kaufst ein Instrument, weil du glaubst, dass es mehr wert wird. Steigt der Kurs, verkaufst du später teurer und die Differenz ist dein Gewinn. Fällt er, machst du Verlust. Dein maximaler Verlust ist dabei begrenzt – ein Kurs kann im schlimmsten Fall auf null fallen, aber nicht darunter.
Praxisbeispiel
Du kaufst eine Aktie für 100 Euro, weil du steigende Kurse erwartest. Drei Wochen später steht sie bei 110 Euro und du verkaufst. Dein Gewinn: 10 Euro pro Aktie, also 10 Prozent. Wäre die Aktie auf 90 Euro gefallen, hättest du 10 Euro Verlust gemacht.
Short gehen – auf fallende Kurse setzen
Beim Short drehst du die Logik um: Du verkaufst zuerst zu einem hohen Kurs und kaufst später zu einem niedrigeren zurück. Die Differenz ist dein Gewinn. Klingt verdreht, ist aber das Spiegelbild des Long-Trades – nur dass du eben von fallenden statt von steigenden Kursen profitierst.
Praxisbeispiel
Du erwartest, dass eine Aktie von 100 Euro fällt. Du gehst short, verkaufst also zu 100 Euro. Der Kurs fällt auf 90 Euro, du kaufst zurück (»deckst dich ein«) und behältst die Differenz von 10 Euro pro Aktie. Wäre der Kurs auf 110 Euro gestiegen, hättest du 10 Euro Verlust gemacht.
Warum gehen Trader überhaupt short? Aus zwei Gründen. Erstens zur Spekulation: Wenn ein Markt klar fällt, willst du auch dann verdienen können – nicht nur tatenlos zusehen. Zweitens zur Absicherung, dem sogenannten Hedging, bei dem eine Short-Position ein bestehendes Risiko abfedert.
Short als Absicherung – das Hedging
Short bedeutet nicht zwangsläufig, dass du auf einen Crash wettest. Viele Anleger nutzen Short-Positionen, um ein bestehendes Depot abzusichern. Wer langfristig Aktien hält, aber eine schwächere Phase erwartet, kann mit einer Short-Position dagegenhalten, statt alles zu verkaufen. Verliert das Depot an Wert, gleicht der Gewinn aus der Short-Position einen Teil davon aus.
Praxisbeispiel
Du hältst ein Aktien-Depot im Wert von 10.000 Euro und erwartest vor einem wichtigen Termin kurzfristig fallende Kurse. Statt zu verkaufen, gehst du auf einen Index short. Fällt der Markt, gewinnt deine Short-Position und dämpft den Verlust im Depot. Steigt er, kostet dich die Absicherung etwas – wie eine Versicherungsprämie.
Der Leerverkauf – wie Shorten technisch funktioniert
Die berechtigte Frage lautet: Wie kann ich etwas verkaufen, das ich gar nicht besitze? Hier kommt der Leerverkauf ins Spiel. Bei klassischen Aktien leihst du dir die Aktie über deinen Broker, verkaufst sie am Markt und kaufst sie später zurück, um sie dem Verleiher zurückzugeben. Bei den meisten Trading-Produkten läuft das aber einfacher ab.
Definition
Ein Leerverkauf ist der Verkauf eines Instruments, das du dir nur geliehen hast oder über ein Derivat abbildest, mit dem Ziel, es später günstiger zurückzukaufen. Bei CFDs, Futures oder Optionsscheinen leihst du nichts real – du eröffnest einfach eine Short-Position, und dein Broker bildet die Gegenrichtung ab.
Für dich als Trader heißt das praktisch: Bei einem CFD- oder Hebelprodukt-Broker klickst du schlicht auf »Verkaufen« statt auf »Kaufen« – der technische Leihvorgang im Hintergrund interessiert dich kaum. Wichtiger ist, dass du die Risiken und Kosten verstehst, die mit einer Short-Position einhergehen.
Das besondere Risiko bei Short-Positionen
Long und Short sind nicht symmetrisch, was das Risiko angeht – und das ist der wichtigste Punkt dieses Beitrags. Bei einer Long-Position ist dein Verlust begrenzt: Mehr als deinen Einsatz kannst du nicht verlieren, weil der Kurs nur bis null fallen kann. Bei einer Short-Position sieht das anders aus.
Hinweis
Beim Short ist dein möglicher Verlust theoretisch unbegrenzt. Ein Kurs kann nicht unter null fallen, aber unbegrenzt steigen – und je höher er steigt, desto teurer wird dein Rückkauf. Ein sogenannter Short Squeeze, bei dem viele Shortseller gleichzeitig zum Rückkauf gezwungen werden, kann Kurse explosionsartig nach oben treiben. Ein Stop-Loss ist beim Short deshalb keine Option, sondern Pflicht.
Wo kannst du überhaupt short gehen?
Nicht in jedem Konto und nicht mit jedem Produkt kannst du short gehen. Beim klassischen Direktkauf einer Aktie im normalen Cash-Depot geht es nicht – du kannst nur kaufen, was du auch bezahlst. Short-Positionen brauchen spezielle Instrumente:
- CFDs – die häufigste Art, einfach per Klick long oder short zu gehen
- Futures – standardisierte Terminkontrakte, in beide Richtungen handelbar
- Optionen und Optionsscheine – über Put-Produkte auf fallende Kurse setzen
- Wertpapierleihe / Margin-Konto – echte Aktien leihen und leerverkaufen
Kosten: Finanzierung und Swaps
Wer eine gehebelte Position über Nacht hält, zahlt in der Regel Finanzierungskosten – bei Forex und CFDs Swap genannt. Diese fallen sowohl long als auch short an, können aber je nach Richtung und Markt unterschiedlich ausfallen; in seltenen Fällen bekommst du sogar eine Gutschrift. Beim Leerverkauf echter Aktien kommt zusätzlich eine Leihgebühr dazu, die bei schwer leihbaren Aktien spürbar hoch sein kann. Für kurzfristige Trades spielen diese Kosten kaum eine Rolle, für längere Haltedauern solltest du sie einkalkulieren – sonst frisst die Finanzierung still und leise deinen Gewinn.
Ein kompletter Short-Trade Schritt für Schritt
Damit das Ganze greifbar wird, hier ein durchgerechneter Short-Trade von Anfang bis Ende:
- Analyse: Eine Aktie steht bei 200 Euro in einem klaren Abwärtstrend und prallt an einem Widerstand ab. Du erwartest fallende Kurse.
- Einstieg: Du gehst short bei 200 Euro – du verkaufst also leer.
- Absicherung: Du setzt deinen Stop-Loss bei 210 Euro. Steigt der Kurs dorthin, ist deine These falsch und du bist mit 10 Euro Verlust raus.
- Ziel: Deinen Take-Profit legst du bei 180 Euro – das ergibt ein Chance-Risiko-Verhältnis von 1:2.
- Ausgang: Fällt der Kurs auf 180 Euro, deckst du dich ein und realisierst 20 Euro Gewinn pro Aktie.
Long und Short im direkten Vergleich
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:
- Richtung: Long profitiert von steigenden, Short von fallenden Kursen.
- Risiko: Long hat ein begrenztes, Short ein theoretisch unbegrenztes Verlustrisiko.
- Zugang: Long geht in jedem Depot, Short nur über CFDs, Futures, Optionen oder Wertpapierleihe.
- Schwierigkeit: Short verlangt strengeres Timing, mehr Disziplin und immer einen Stop-Loss.
Wann long, wann short?
Die Richtung ergibt sich aus deiner Analyse, nicht aus dem Bauchgefühl. Als grobe Orientierung:
- Klarer Aufwärtstrend und relative Stärke → Long-Setups bevorzugen.
- Klarer Abwärtstrend und relative Schwäche → Short-Setups bevorzugen.
- Unklare oder seitwärts laufende Lage → besser abwarten als erzwingen.
Tipp
Wenn du anfängst, übe zuerst ausschließlich Long-Trades. Short-Positionen sind anspruchsvoller: Das Timing ist schwieriger, die Kosten höher und das Risiko unbegrenzt. Nimm Short erst dazu, wenn du Ein- und Ausstieg sicher beherrschst – und nie ohne Stop-Loss.
Häufige Missverständnisse
Rund um das Short-Gehen halten sich ein paar hartnäckige Irrtümer:
- »Short ist Wetten gegen die Wirtschaft« – tatsächlich ist es ein neutrales Werkzeug, das für Liquidität und faire Preise sorgt.
- »Beim Short kann nicht viel passieren« – falsch, das Verlustrisiko ist theoretisch unbegrenzt.
- »Short ist nur etwas für Profis« – nein, aber es verlangt mehr Disziplin und Respekt als ein Long-Trade.
- Short gehen ohne Stop-Loss – der vielleicht teuerste Anfängerfehler überhaupt.
Häufige Fragen zu Long und Short
Was bedeutet long und short?
Long bedeutet, auf steigende Kurse zu setzen, indem du kaufst. Short bedeutet, auf fallende Kurse zu setzen, indem du ein geliehenes oder über ein Derivat abgebildetes Instrument verkaufst und später günstiger zurückkaufst. Long profitiert von Aufwärts-, Short von Abwärtsbewegungen.
Wie funktioniert ein Leerverkauf?
Beim Leerverkauf verkaufst du etwas, das du dir geliehen hast oder über ein Derivat abbildest, um es später günstiger zurückzukaufen. Bei CFDs, Futures oder Optionsscheinen leihst du nichts real – du eröffnest einfach eine Short-Position, und dein Broker stellt die Gegenseite.
Ist das Risiko beim Short größer?
Ja. Bei einer Long-Position ist der Verlust auf deinen Einsatz begrenzt, weil ein Kurs nur bis null fallen kann. Beim Short ist der Verlust theoretisch unbegrenzt, weil ein Kurs unbegrenzt steigen kann. Deshalb ist beim Short ein Stop-Loss Pflicht.
Kann ich jede Aktie shorten?
Nein. Im klassischen Cash-Depot kannst du gar nicht shorten, und nicht jede Aktie ist überall leihbar. Über CFDs, Futures oder Put-Produkte lassen sich viele, aber nicht alle Werte short handeln – gerade kleine oder schwer leihbare Aktien sind oft teuer oder gar nicht verfügbar.
Was ist ein Short Squeeze?
Ein Short Squeeze entsteht, wenn ein stark geshorteter Kurs plötzlich steigt und viele Shortseller gleichzeitig zum Rückkauf gezwungen werden. Diese Rückkäufe treiben den Kurs weiter nach oben – eine Kettenreaktion, die zu extremen, schnellen Kursanstiegen führen kann.