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Optionsscheine, Knock-Outs & Faktor-Zertifikate ehrlich eingeordnet

Das wirst du lernen:

  • Wie Optionsscheine funktionieren – und warum du trotz richtiger Richtung verlieren kannst
  • Was Knock-Out-Zertifikate anders machen und was beim Knock-out passiert
  • Warum Faktor-Zertifikate nicht zum Halten gebaut sind
  • Wann Zertifikate sinnvoll sind – und wann CFD oder Aktie das bessere Werkzeug ist

Optionsscheine und Knock-Out-Zertifikate sind die deutsche Antwort auf den Hebelhandel: Du kaufst sie wie eine Aktie über dein normales Depot, der Emittent – meist eine Bank – baut den Hebel in das Produkt ein. Millionen dieser Papiere liegen an deutschen Börsen, und kaum eine Produktgruppe wird so oft gekauft, ohne dass der Käufer die Preisbildung versteht.

Auf dieser Seite bekommst du alle drei Produktfamilien ehrlich erklärt: Optionsscheine, Knock-Outs und Faktor-Zertifikate – wie sie bewertet werden, wo ihre Fallen liegen und wann ein CFD oder die echte Aktie schlicht das bessere Werkzeug ist.

Was sind Optionsscheine?

Ein Optionsschein verbrieft das Recht, einen Basiswert – etwa eine Aktie oder einen Index – zu einem festgelegten Preis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put), bis zu einem festen Laufzeitende. Du übst dieses Recht praktisch nie aus; gehandelt wird der Schein selbst, dessen Preis mit dem Basiswert steigt und fällt – nur eben gehebelt.

Definition

Ein Optionsschein ist eine von einer Bank (dem Emittenten) verbriefte Option: das Recht auf Kauf (Call) oder Verkauf (Put) eines Basiswerts zum festgelegten Basispreis innerhalb der Laufzeit. Anders als börsengehandelte Optionen ist er ein Emittentenprodukt – die Bank baut ihn, stellt die Kurse und ist deine Gegenpartei.

Der Preis eines Optionsscheins besteht aus zwei Teilen: dem inneren Wert (wie weit der Basiswert bereits über beziehungsweise unter dem Basispreis steht) und dem Zeitwert. Und der Zeitwert ist der Teil, der Einsteiger regelmäßig kalt erwischt: Er schmilzt mit jedem Tag Richtung Laufzeitende – und er hängt an der erwarteten Schwankungsbreite, der Volatilität.

Praxisbeispiel

Du kaufst vor einem Quartalsbericht einen Call auf eine Aktie. Der Bericht ist gut, die Aktie steigt 3 % – und dein Optionsschein fällt. Warum? Vor dem Termin war die erwartete Schwankung (Volatilität) hoch eingepreist, danach bricht sie zusammen, und mit ihr der Zeitwert. Beim Optionsschein reicht es nicht, mit der Richtung recht zu haben – du musst auch mit Timing und Volatilität richtig liegen. Drei Variablen statt einer.

Die wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick

Jedes Zertifikate-Factsheet wirft mit Kennzahlen um sich. Diese sechs musst du lesen können:

KennzahlBedeutungWorauf du achtest
BasispreisKurs, ab dem der Schein inneren Wert hatJe weiter „aus dem Geld“, desto spekulativer
HebelFaktor, mit dem der Schein die Kursbewegung verstärktHoher Hebel = hohes Risiko, kein Qualitätsmerkmal
DeltaWie stark der Schein auf 1 € Kursbewegung reagiertBei Optionsscheinen oft deutlich unter 1
AufgeldWie viel „zu teuer“ der Schein gegenüber sofortiger Ausübung istHohes Aufgeld + kurze Restlaufzeit = teure Wette
BezugsverhältnisWie viele Scheine einen Basiswert abbilden (oft 0,1 oder 0,01)Nur fürs Umrechnen wichtig
Knock-out-SchwelleKurs, bei dem der Knock-Out verfälltDer Abstand zur Schwelle ist deine Überlebensmarge

Was sind Knock-Out-Zertifikate?

Knock-Outs (auch Turbos oder Mini-Futures) lösen genau dieses Problem: Sie bilden den Basiswert nahezu eins zu eins gehebelt ab, Volatilität und Zeitwert spielen kaum eine Rolle. Steigt der DAX um 1 % und dein Knock-Out hat Hebel 10, gewinnt er rund 10 % – transparent und ohne Options-Mathematik. Der Preis dafür steckt im Namen.

Hinweis

Jeder Knock-Out hat eine Knock-out-Schwelle. Berührt der Basiswert sie auch nur für einen Moment – etwa in einer nächtlichen Kursspitze –, verfällt das Papier sofort und endgültig, meist als Totalverlust. Es gibt kein Zurück, auch wenn der Kurs eine Minute später wieder dreht. Ein Knock-Out ist damit ein Stop-Loss, den du nicht verschieben kannst – was Disziplin erzwingt, aber Gaps und Übernacht-Bewegungen zu deinem größten Feind macht.

Faktor-Zertifikate: der Hebel mit Ablaufdatum

Faktor-Zertifikate hebeln die tägliche Bewegung des Basiswerts mit einem festen Faktor – etwa 4x long. Klingt wie ein Knock-Out ohne Schwelle, hat aber denselben Konstruktionsfehler wie Hebel-ETFs: die Pfadabhängigkeit. In Seitwärtsphasen frisst das tägliche Zurücksetzen still das Kapital – der Basiswert steht nach zwei Wochen unverändert, das Faktor-Zertifikat deutlich im Minus. Diese Produkte sind für Tage gebaut, nicht für Monate; ausführlich erklärt haben wir den Effekt auf der ETF-Seite.

Optionsschein, Knock-Out, Faktor oder CFD?

Vier Wege zum gehebelten Trade – und vier verschiedene Preislogiken:

OptionsscheinKnock-OutFaktor-ZertifikatCFD
Preisbildunginnerer Wert + ZeitwertBasiswert 1:1 gehebelttäglicher FaktorBasiswert 1:1 gehebelt
Volatilitäts-Einflusshochkaumkaumkeiner
Laufzeitbegrenztoft endlos (bis Knock-out)endlosendlos
Totalverlust durchVerfall aus dem GeldBerühren der Schwelleschleichend (Pfadabhängigkeit)Stop-Loss begrenzt Verlust
Gehandelt übernormales Aktiendepotnormales Aktiendepotnormales AktiendepotCFD-Konto
Geeignet fürerfahrene Options-Kennerkurzfristige Richtungs-TradesTages-Tradesaktives Trading mit Risikoregeln

Meine ehrliche Einordnung: Der Knock-Out ist dem CFD am nächsten und für Depot-Trader eine legitime Alternative – definierter Maximalverlust, deutsches Depot, einfache Steuer. Der Optionsschein verlangt Options-Wissen, das die meisten Käufer nicht haben; wer diese Mathematik beherrscht, kann gleich echte Optionen handeln. Ich selbst handle keine Zertifikate – nicht aus Prinzip, sondern weil CFDs und Futures für meinen Stil die direkteren Werkzeuge sind. Aber ich verstehe jeden, der sein Trading im normalen Depot halten will.

Emittent, Spread, Steuern: die Nebenkosten

Bei allen drei Produktfamilien gilt: Die Bank baut das Produkt, stellt die Kurse und steht auf der Gegenseite. Das ist reguliert und funktioniert im Alltag fair – aber der Spread ist die Stellschraube, an der der Emittent verdient, und in hektischen Marktphasen wird er gern breiter. Dazu kommt das Emittentenrisiko: Zertifikate sind Schuldverschreibungen, kein Sondervermögen – geht die Bank pleite, ist auch das Zertifikat in Gefahr. Seit 2008 keine theoretische Fußnote mehr.

Dafür ist die Abwicklung angenehm deutsch: Handel über jedes Aktiendepot, Abgeltungsteuer wird vom deutschen Broker automatisch abgeführt, keine Nachschusspflicht, kein separates Konto. Genau diese Bequemlichkeit ist der Grund, warum der Markt so groß ist – bequem und verstanden sind nur leider zwei verschiedene Dinge.

Knock-Out handeln: Schritt für Schritt

Wenn du dich für einen Knock-Out entscheidest, sieht der saubere Ablauf so aus – die Reihenfolge ist dieselbe wie bei jedem Trade: erst die Analyse, dann das Produkt.

  • Trade-Idee zuerst: Basiswert, Richtung, Einstiegszone und Stop-Niveau kommen aus deiner Analyse – nicht aus der „Top-Hebel“-Liste des Emittenten.
  • Schwelle mit Puffer wählen: Die Knock-out-Schwelle gehört deutlich hinter dein Stop-Niveau. Ausgestoppt werden sollst du durch deine Order, nicht durch den Knock-out.
  • Positionsgröße in Euro rechnen: Maximalverlust beim Knock-Out = kompletter Einsatz. Also: Einsatz = dein geplantes Risiko, z. B. ein Prozent vom Konto.
  • Produkt finden: Über den Zertifikate-Finder deines Brokers – gleicher Basiswert, gleiche Richtung, passende Schwelle, enger Spread.
  • Mit Limit handeln: Gerade bei Zertifikaten lohnt die Limit Order – den Spread bezahlst du so nur einmal, nicht doppelt.

Tipp

Egal welches Hebelprodukt: Rechne dein Risiko in Euro, bevor du kaufst – Positionsgröße über den Position Size Calculator, bei Knock-Outs zusätzlich den Abstand zur Schwelle prüfen. Ein Knock-Out mit 2 % Puffer ist kein Trade, sondern ein Münzwurf mit Gebühr. Und wie immer gilt: erst auf dem Demokonto oder mit Kleinstgrößen üben.

Der Hebel ist egal, wenn die Richtung nicht stimmt – Analyse lernst du am Chart.

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Zertifikate im Steckbrief

EigenschaftOptionsscheine & Knock-Outs
Typverbriefte Schuldverschreibungen einer Bank (Emittentenprodukte)
Hebelfrei wählbar über Basispreis/Schwelle – von 2 bis über 50
Long & Shortbeides (Call/Put bzw. Long/Short-Knock-Outs)
KostenSpread des Emittenten, beim Optionsschein zusätzlich Zeitwertverfall
Typische HaltedauerIntraday bis wenige Wochen
Geeignet fürDepot-Trader mit klaren Regeln – nicht für Buy-and-Hold

Für wen sind Optionsscheine und Knock-Outs geeignet?

Für dich, wenn du bewusst im normalen Aktiendepot bleiben willst und kurzfristige Richtungs-Trades mit definiertem Maximalverlust suchst – dann ist der Knock-Out das ehrlichste Produkt der Familie. Nicht für dich, wenn du Optionsscheine kaufst, „weil die Aktie doch eh steigt“: Die Options-Preisbildung schlägt Halbwissen zuverlässig. Und für alle gilt: Das Produkt ist nur der Hebel – die Trade-Idee kommt aus der Technischen Analyse, das Überleben aus dem Risikomanagement.

Häufige Fehler mit Zertifikaten

  • Optionsscheine ohne Options-Wissen kaufen. Zeitwert und Volatilität entscheiden mit – wer nur die Richtung analysiert, spielt mit verdeckten Karten.
  • Knock-Outs mit Mini-Puffer. Je näher die Schwelle, desto größer der Hebel – und desto sicherer der Totalverlust beim nächsten Zucken des Marktes.
  • Faktor-Zertifikate liegen lassen. Die Pfadabhängigkeit arbeitet jeden Seitwärtstag gegen dich. Diese Produkte kennen kein „langfristig“.
  • Positionen über Nacht ohne Plan. Gaps kennen keine Knock-out-Gnade – die Schwelle gilt auch, wenn du schläfst.
  • Den Verfall „aussitzen“. Ein Optionsschein tief aus dem Geld erholt sich fast nie – der Zeitwert läuft gegen dich, jeden Tag.

Häufige Fragen zu Optionsscheinen & Knock-Outs

Was sind Optionsscheine einfach erklärt?

Ein Optionsschein ist das von einer Bank verbriefte Recht, einen Basiswert zu einem festen Preis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Sein Preis besteht aus innerem Wert und Zeitwert – deshalb wirken neben der Kursrichtung auch Restlaufzeit und Volatilität auf den Kurs.

Was ist ein Knock-Out-Zertifikat?

Ein Knock-Out bildet den Basiswert gehebelt nahezu eins zu eins ab, ohne nennenswerten Zeitwert. Dafür hat er eine Knock-out-Schwelle: Berührt der Basiswert sie, verfällt das Papier sofort – in der Regel als Totalverlust.

Optionsschein oder Knock-Out – was ist besser?

Für die meisten kurzfristigen Richtungs-Trades ist der Knock-Out das transparentere Produkt, weil Volatilität und Zeitwert kaum hineinspielen. Optionsscheine lohnen nur, wenn du die Options-Preisbildung wirklich verstehst – etwa um gezielt auf Volatilität zu setzen.

Was passiert beim Knock-out?

Berührt der Basiswert die Schwelle – auch nur kurz und auch außerhalb deiner Handelszeiten –, wird das Zertifikat ausgeknockt und verfällt. Je nach Produkt gibt es einen kleinen Restwert oder null. Ein Wiedereinstieg ins alte Papier ist nicht möglich.

Sind Optionsscheine für Anfänger geeignet?

Als erstes Hebelprodukt eher nicht: Zeitwert und Volatilität machen die Preisbildung schwer kalkulierbar. Wer im Depot hebeln will, fährt mit einem Knock-Out mit großzügigem Puffer transparenter – und übt vorher mit kleinsten Größen oder auf dem Demokonto.

Zertifikate sind Werkzeuge mit eingebautem Kleingedruckten. Wer sie nutzt, sollte den Chart besser lesen können als der Durchschnittskäufer – genau dafür ist die Technische Analyse da.

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